Wortschatzarbeit (1): Kontextualisierung und Vernetzung

Lili Richter, Wien

Dies ist der Beginn einer 6-teiligen Serie zum Thema "Wortschatzarbeit" von Dr. Tanja Greil, Fachdidaktikerin für Englisch an der Universität Salzburg.

Ein didaktischer Grundsatz des Lehrplans für Lebende Fremdsprachen für die NMS und die AHS Unterstufe widmet sich der “Kontextualisierung von Wortschatz und Grammatik” und lautet:

“Der Vermittlung von Wortschatz und Grammatik in vielfältig kontextualisierter und vernetzter Form ist größtes Gewicht beizumessen, zB ist Vokabular, wo immer möglich, in Kollokationen, Redewendungen und Phrasen mit impliziter Grammatik einzubetten. […] Wo es sinnvoll ist, sind grammatische Strukturen besser ohne Regelformulierung als lexikalische Einheiten zu vermitteln.”[1]

Mehrere (noch kommende) Blogbeiträge von mir beleuchten diesen didaktischen Grundsatz im Hinblick auf Wortschatzarbeit – insbesondere im Anfangsunterricht. Die ersten beiden Beiträge beschäftigen sich mit der “Vermittlung von Wortschatz (…) in vielfältig kontextualisierter und vernetzter Form“. Auch Scott Thornbury (2019, 16) [2] beschreibt “the importance of teaching vocabulary in context, rather than as isolated terms” als eines der Prinzipien effektiver Wortschatzarbeit im Englischunterricht. Die wichtige Rolle von Kontext beim Wortschatzerwerb wird auch von vielen anderen ELT-Experten wie etwa Norbert Schmitt [3] betont.

Was kann Kontext in der Vermittlung von Wortschatz schaffen?

Kontext hat zwei Bedeutungen, die im Oxford Advanced Learner’s Dictionary[4] auch für die Wortschatzarbeit sehr passend definiert sind:

  1. “the situation in which something happens and that helps you to understand it
  2.  “the words that come just before and after a word, phrase or statement and help you to understand its meaning”

In der ersten Bedeutung bezieht sich Kontext auf die Situationen, in denen Wörter und Phrasen eingebettet sind und die helfen, dieses Vokabular auch leichter zu verstehen.

In easy schaffen die storyline rund um Mira und ihre Freunde den Kontext, der sich durch das ganze Buch zieht. Diese Charaktere werden auf den ‘Bildschirm’-Seiten in immer neuen Situationen dargestellt und erzählt. Die ‘Bildschirm’-Seiten mit den Bildimpulsen schaffen dadurch Kontext in sehr vielfältiger Weise.

In vielen Units steht ein großes Bild im Vordergrund und neue Wörter und Phrasen sind auf dem Bild integriert.

Lili Richter, Wien

Illustrationen bieten Kontext

Die detailreichen Illustrationen bieten dem neuen Wortschatz Kontext. In unserem Beispiel in Unit 6: My friends – B: At a party geht es um die Struktur I can(‘t) – kombiniert mit verschiedenen Aktivitäten (verb + noun) wie z.B. make popcorn, ride a skateboard, do magic, play the drums mit dem Lernziel “sagen, was du kannst und nicht kannst”. Der situative Kontext ist eine Party, auf der die Kinder zeigen (oder sagen), was sie können oder auch nicht. Damit können die SchülerInnen die abgebildeten Aktivitäten mit den neuen Phrasen ‘verbinden’ und sich besser merken. Thornbury (2019, 16) nennt das “forming associations (…) as an aid to memory“.

Unterstützung bei der Bildung von Assoziationen

Wie können wir die SchülerInnen unterstützen, Assoziationen bei neuen Wörtern und Phrasen zu bilden?

Nehmen wir noch einmal unsere Party-Szene auf S. 52. Folgende Schritte bieten sich an:

  • Wir lesen die neuen Phrasen vor und die SchülerInnen zeigen auf das Kind, das die Aktivität vorzeigt.
  • Wir betten die neuen Phrasen in Sätze mit der neuen Struktur can ein und die SchülerInnen zeigen noch einmal auf die Kinder, z.B. Mira can do magic. The boy in the grey sweater can make popcorn.
  • Diese Sätze können die SchülerInnen auch selbst noch einmal in Partnerarbeit wiederholen oder auch gleich die im easy book vorgeschlagene Aktivität machen. Look at the picture for 30 seconds. Try to remember what everybody can do at the party? Then close the book and ask a partner questions.
  • easy book bietet dann noch weitere Übungen zur Festigung der neuen Phrasen an.

Recycling und Wiederholung

Aber diese Bilder bieten nicht nur Kontext für neuen Wortschatz. Nein, sie eignen sich auch bestens, um bereits bekanntes Vokabular aus früheren Units zu wiederholen! So können wir Bekanntes mit Neuem verknüpft und in neuen Situationen wiederholen. Dadurch findet das Recycling von bereits eingeführtem Wortschatz statt und die SchülerInnen festigen den Wortschatz und lernen auch, Wörter in neuen Kontexten zu finden.

Die Wiederholung ist ein weiteres wichtiges Prinzip effektiver Wortschatzarbeit laut Thornbury (2019, 16): “the necessity of regular review, including ‘spaced repetition’, i.e. reviewing previously learned material at increasingly larger intervals of time“.

Lili Richter, Wien

Wenn wir uns die ‘Bildschirm’-Seite zu At a party genauer ansehen, stellen wir fest, dass wir mit diesem Bild auch viel Vokabular aus den vorangehenden Units wiederholen und damit weiter festigen können!

Die SchülerInnen können Farben und Zahlen (Fokus in Unit 2), adjectives (feelings) (Unit 3), body parts & actions (Unit 4) oder clothes (Unit 5) wiederholen. Das Gleiche gilt für zahlreiche nouns aus früheren Units. Die Übungen im easy book integrieren viel von diesem bekannten Wortschatz, aber zusätzlich können wir das Bild für mündliche Wiederholungen des Wortschatzes nutzen.

Wenn wir die vielfältigen Details der Bilder zur Wortschatzwiederholung ausschöpfen, können wir die SchülerInnen im Aufbau und der Festigung ihres Wortschatzes unterstützen – zusätzlich zu den Übungen, die das Buch oder das easy pad bieten.

Im nächsten Beitrag geht es um Wörter, die sich (typischerweise) rund um bestimmte Wörter finden.


[1] Auszug aus dem NMS-Lehrplan bzw. AHS Unterstufe-Lehrplan – LEBENDE FREMDSPRACHE, Didaktische Grundsätze:

[2] Scott Thornbury (2019) Learning language in chunks. Part of the Cambridge Papers in ELT series. [pdf] Cambridge: Cambridge University Press. Available at: https://www.cambridge.org/elt/blog/wp-content/uploads/2019/10/Learning-Language-in-Chunks.pdf

[3] Verschiedene Artikel des Linguisten Norbert Schmitt zu diesem Thema sind auf seiner Webseite verfügbar: https://www.norbertschmitt.co.uk/articles

[4] Quelle/Link: https://www.oxfordlearnersdictionaries.com/definition/english/context

Tanja Greil ist seit 2004 Fachdidaktikerin für Englisch an der Universität Salzburg. Als Englischlehrerin war sie in verschiedenen Schulen und in der Erwachsenenbildung tätig. Neben allen didaktischen Fragen rund um den Englischunterricht beschäftigen sie ihre Familie, mit der sie in Tirol lebt.

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