Unterrichten mit Minibüchern

Ingrid Legerer, Gratkorn

Mira hat mich verzaubert! Genauer gesagt, mit ihrer Idee in Unit 3 von easy 1 ein „book of friends“ zu falten, schreiben und gestalten.

Miras "book of friends"
Lili Richter, Wien

Mira, die kleine Hexe, schreibt also kein ganzes Buch oder ein ganzes Heft voll, sondern sie nimmt ein Blatt Papier, faltet es geschickt und hat damit ein Minibuch von acht Seiten, auf denen sie ihre Freunde verewigt.

Das hat mich auf einige Ideen gebracht, mit welchen Inhalten so ein Minibuch auch noch gefüllt werden kann: daily routines, my house/room, my first detective story, my first picture book, my first comic, fruits, recipes, animals, cities, countries, hobbies, Schwindel-Minibuch … Huch, ganz schön viel.

In meiner ersten Klasse haben wir die Wochentage, Gefühle, Essen und Hobbys durchgenommen. Um mit dem neuen Wissen etwas Individuelles zu produzieren, kam die easy-Anregung mit dem make your own book von Unit 3 gerade recht.

Gemeinsam mit der Klasse entstand folgendes Tafelbild:

Tafelbild zur Erstellung von MinibüchernJetzt waren meine SchülerInnen auch verzaubert, weil sie ihren Wochenplan ins Heft schreiben konnten. Es kamen noch viele, viele Wörter dazu, denn die SchülerInnen wollten ihre „eigenen“ Worte wissen. Dann sammelte ich die Hefte ein, korrigiert sie und teilte sie in der nächsten Stunde wieder aus.

Geht auch als Hörübung

Ich wollte nicht die visuelle Faltanleitung von Mira anbieten, sondern eine Hörübung daraus machen. An dieser Stelle hat mich dann der Zauber leider etwas verlassen. Ich musste mir eingestehen, dass eine Faltanleitung mit ganz einfachen Wörtern für SchülerInnen im ersten Englisch-Lernjahr nicht möglich war. Eigentlich konnte ich es weder auf Deutsch noch auf Englisch richtig gut beschreiben. Am Ende dieses Blogbeitrags können Sie die classroom language I used ansehen. Sollte jemand von euch LeserInnen meine verbale Anleitung für das Minibuch verbessern können, bitte meldet euch über die Kommentarfunktion!

Unterrichten mit Minibüchern: konkrete Durchführung

Wissend also, dass meine ErstklässlerInnen nicht jedes Wort verstehen würden, sehr wohl aber mich beim Falten beobachteten, teilte ich Papier aus und startete mit der Faltanleitung. Die SchülerInnen erhielten je ein DIN A3 Blatt. Ein A4 Blatt kann natürlich auch verwendet werden, aber die meisten SchülerInnen in der ersten Klasse schreiben noch recht groß, daher bietet sich ein A3-Blatt eher an.

Unterrichten mit Minibüchern - Faltanleitung easy Unit 3
Lili Richter, Wien

Ich sprach die Anleitung und zeigte das Falten vor, langsam und mit vielen Wiederholungen dazwischen. Mutige SchülerInnen konnten nach einigen Wiederholungen dann manche Sätze für mich sprechen. Durch das Vorzeigen verstehen die SchülerInnen, was sie genau machen sollen.

Die Klasse war super motiviert und meine SchülerInnen hatten großes Interesse, die Anweisungen umzusetzen. Durch das oftmalige Wiederholen haben sie die Sätze verstanden und konnten ihre Minibücher fertig stellen.

Kreativität ist erwünscht

Ab dann wurden die SchülerInnen wieder richtig kreativ. Sie gestalteten das Deckblatt (das Feld ohne Seitenanzahl) und übertrugen ihren Wochenplan in das Minibuch – viel Farbe und Formen waren erwünscht.

Minibücher - Titelseiten
Ingrid Legerer, Gratkorn

Nun waren meine SchülerInnen schon richtig neugierig, wie die Minibücher ihrer MitschülerInnen aussahen und was diese so jeden Tag machen, essen und wie sie sich fühlen.

Zwiebelgespräch als eine von vielen methodischen Möglichkeiten

Methodisch gibt es mindestens so viele Möglichkeiten wie spells von Mira! Ich habe mit meiner Klasse ein Zwiebelgespräch gemacht. Ich bin vom Zwiebelgespräch als Methode sehr angetan, weil alle SchülerInnen die Möglichkeit haben, angstfrei und ohne Stress zu sprechen.

So geht’s

Symbolbild sprechender SchülerSchülerInnen im Innenkreis stehen jeweils einer SchülerIn im Außenkreis gegenüber, wir haben also kreisrunde Schichten wie bei einer Zwiebel. Drei Minuten lang sprechen die SchülerInnen dann über ihr eigenes Minibuch, zeigen ihre Seiten und erklären, was sie aufgeschrieben haben. Zu diesem Zeitpunkt kennen sie ihr Minibuch schon so gut, dass die wenigsten SchülerInnen daraus lesen, sondern drei Minuten durchgehend auf Englisch ihr Minibuch vorstellen.

Nach diesen drei Minuten gehen die SchülerInnen im Außenkreis zwei Schritte (zwei Personen) nach links, und schon geht es wieder los. Dieser Wechsel findet einige Male statt.

Zwiebelgespräche eignen sich ganz besonders für schüchterne SchülerInnen oder Schüler, weil sie während des Gesprächs nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen.

Meine SchülerInnen konnten fast nicht genug davon bekommen und der Klang der vielen englischen Wörter hat mich dann schon wieder verzaubert. 🙂

Auch Vorlesen geht

Fällt es SchülerInnen sehr schwer, frei zu sprechen, dürfen sie ihre Seiten vorlesen. Unter dem Motto: Share your diary with your friends – read it out to her/him. So haben alle SchülerInnen die Möglichkeit, beim Zwiebelgespräch aktiv teilzunehmen. Möchten Sie als Lehrperson selbst einen listening input geben, lesen Sie ein paar Minibücher vor und lassen Sie die SchülerInnen raten, von wem das jeweilige Minibuch stammt. Hier ist Spaß garantiert und die SchülerInnen merken nicht, dass sie üben und lernen!

Ergebnisse gehören präsentiert

Unsere Minibücher wurden zum Abschluss im Klassenzimmer und beim Tag der offenen Tür zum Schmökern für die Besucher ausgestellt. Es ist ganz wichtig, dass SchülerInnen ihre Ergebnisse ansehen und zeigen können. Das ist ein immenser Motivationsfaktor.

Unterrichten mit Minibüchern – die Vorteile:

Reading SchülerInnen zeigen sich ihre Minibücher und lesen daraus. Sie lesen immer wieder ihr eigenes Minibuch, festigen dadurch ihren Wortschatz, Aussprache und Lesekompetenz.
Listening SchülerInnen hören die Faltanleitung und falten das Minibuch. Durch die ständige Wiederholung der Angaben können einige Schüler die Faltanleitung auch bald nachsprechen. SchülerInnen hören sich gegenseitig zu, um herauszufinden, was in den Minibüchern der anderen SchülerInnen steht. So hören sie immer wieder die Wörter der aktuellen Lektion in einem Zusammenhang, der sie interessiert.
Writing SchülerInnen verwenden neue und schon geläufige Wörter, um ihr Minibuch zu füllen. Rechtschreibung und Grammatik werden automatisch geübt, ohne darauf hinweisen zu müssen. Die Verankerung im Langzeitgedächtnis wird gefördert.
Speaking SchülerInnen erzählen, was in ihrem Minibuch steht. Im Zwiebelgespräch wird der Inhalt wiederholt, um den jeweils neuen PartnerInnen zu erzählen, was sie diese Woche gemacht haben. Durch das oftmalige Verwenden des neuen Wortschatzes und der Satzstrukturen werden die Inhalte langfristig verankert.
Learner types Alle learner types werden angesprochen. Auditive Lerner hören den Input, hören ihre Freunde und sich selber über das Thema sprechen. Visuelle Lerner sehen, wie die Anleitung gefaltet wird und gestalten mit Farben und Formen ihr ganz persönliches Minibuch. Kinästhetische Lerner brauchen Bewegung, um Inhalte gut im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Das Falten und die Bewegung beim Zwiebelgespräch bieten die Möglichkeit dazu.
Soziale Kompetenzen Die Motivation, selbst ein Minibuch zu falten, lässt die SchülerInnen beim Falten konzentriert arbeiten und spornt sie an, sich gegenseitig zu helfen. Alle sind wertvolle Mitglieder der Klasse. Die SchülerInnen, die gut beim Falten sind, können genauso gut helfen, wie SchülerInnen, die die Anweisungen verstehen.

Die Neugierde der Schüler, zu erfahren, was ihre KlassenkollegInnen in ihre Minibücher geschrieben haben, ist die Basis für ein funktionierendes Zwiebelgespräch. Der kommunikative Austausch erfordert Geduld beim Zuhören, und Mut, sein ganz persönliches Minibuch vorzustellen und zu zeigen.

In der 2. Klasse kann der Inhalt dann mit der past tense geübt werden: my last week, my Christmas holidays … und schon wieder überkommen mich viele neue Ideen…

Und? Ideen?

Haben Sie auch bereits Ideen für das Unterrichten mit Minibüchern? Bitte ausprobieren und über die Kommentarfunktion mit uns teilen!

 


Classroom language I used:

-Take the empty sheet of paper.

-Fold it lengthwise.

-Open it.

-Fold it on the short side.

-Fold back the top edge.

-Turn it around.

-Fold back the other top edge.

-Open it completely and fold it lengthwise again.

 

-Put the paper in front of you.

-The open sides showing towards you.

-In the bottom left corner of the first field write number 2.

-In the next field 3, then 4 and 5.

-Turn the paper, the open sides showing towards you.

-In the bottom left corner of the first field write.

-In the bottom right corner of the next field write 7.

-In the bottom left corner of the next field write 8.

-There is no number in the last field.

 

-Open it completely again.

-Fold in on the short side again.

-Take a pair of scissors.

-Cut along the middle fold only to the middle.

-Open again.

-Fold it lengthwise again.

-Push the outer sides to the middle.

-Fold the booklet.

-Check the page numbers.


Auf Pinterest gibts viele Bild-Anleitungen zur Erstellung von Minibüchern: https://www.pinterest.com/pin/444519425704694121

Von der Seite https://conniehamilton.net/product/foldable-mini-book-template-and-directions/ stammt dieses „Foldable Mini Book Template“.

Seit 2018 ist Fr. Legerer wieder in die Sekundarstufe I zurückgekehrt. Sie unterrichtet an der NMS Frohnleiten, in der Steiermark, Englisch, Musik und IT. Die Leidenschaft für Englisch intensivierte sie in den Jahren durch das Arbeiten mit Kindern, Jugendlichen, wie auch mit Studierenden und diversen Facharbeitsgruppen sowie interessierten Menschen in der Erwachsenenbildung. Das Ausprobieren von Neuem und das Verbessern von Altbewährtem ist ihr Ding.

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