Konzentrations­störungen und mögliche Ursachen

Mädchen voller Konzentration

Fotolia.com/Ingo Bartussek

“Die Kinder heute können sich einfach nicht mehr konzentrieren!” – ein häufiges Gesprächsthema in unseren Konferenzzimmern. Doch was steckt dahinter? Als Konzentrationstrainerin beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit dieser Frage und bin einen großen Schritt weitergekommen, als ich von den frühkindlichen Reflexen erfuhr.

Frühkindliche Reflexe

Mororeflex

Kinder, die sich sehr leicht ablenken lassen, auf die viele Reize scheinbar ungefiltert einprasseln, haben meist noch einen aktiven Mororeflex. Für diese Kinder sind alle Reize gleich stark und das Gehirn kann nicht filtern, es kann Unwichtiges nicht ausblenden. Diese Kinder fallen uns auch auf, weil sie bei Listenings mit Hintergrundgeräuschen kaum etwas verstehen. Der Körper ist ob der Reizüberflutung ständig gestresst und schüttet die Stresshormone Adrenalin und Kortisol aus. Die Strategien mit diesem Problem umzugehen sind vielfältig, die einen sind schüchtern und ziehen sich zurück, andere werden aggressiv und sind permanente Störenfriede in der Klasse.

Symmetrisch Tonischer Nackenreflex (STNR)

Ist der symmetrisch tonische Nackenreflex bei einem Kind noch aktiv (und er ist bei vielen Kindern aktiv), möchte der Körper reflexartig die Hände beugen und die Beine strecken, wenn sich der Kopf beugt oder streckt. Nackenbewegungen sind aber in der Schule permanent notwendig, beispielsweise vom Blick auf die Tafel/Whiteboard zum Blick ins Heft. Darf man sich da wundern, dass diese Kinder im Klassenzimmer kaum sitzenbleiben können? Ihre Hände möchten sich beugen, was Sie beim Schreiben behindert und die Füße möchten sich strecken. Viele setzen sich deshalb intuitiv auf ihre Beine oder schlingen die Beine um die Stuhlbeine. Oft liegt die Ursache für einen noch aktiven symmetrisch Tonischen Nackenreflex am Auslassen der wichtigen Krabbelphase in der Kindheit.

Babkinreflex

Ist hingegen der Greifreflex oder der Babkinreflex noch da, fällt das Schreiben schwer und die Stifthaltung ist verkrampft. Denn wird die Handinnenfläche berührt (zum Beispiel vom Stift), dann krallen sich reflexmäßig die Finger zusammen. Ganz schön schwierig, etwas schreiben zu müssen, wenn die Hand immer ganz etwas anderes tut als man möchte, nicht wahr? Auch verständlich, dass man durch dieses Handicap nicht immer darauf achten kann, wie ein Wort genau geschrieben wird. Und alle nennen einen einfach schlampig…

Alle diese Kinder werden mir mit „Konzentrationsproblemen“ vorgestellt, doch mittlerweile weiß ich, dass dies nur ein Pauschalsymptom für verschiedene Probleme ist, wie beispielsweise Schlafprobleme oder Bauchschmerzen.

Reflexintegrationstraining

Das Wissen über Reflexe und ihre Auswirkungen würde jedem Lehrer guttun. So helfen Sie beispielsweise einem Kind mit aktivem Symmetrisch Tonischem Nackenreflex (STNR), wenn es entweder nur zuhören/zusehen muss oder nur schreiben muss, weil dann die Nackenbewegungen wegfallen. Oder man legt ihm das Buch, aus dem es abschreiben muss, etwas höher hin, damit es den Nacken nicht bewegen muss.

Da dieses Thema durchaus komplex ist, empfehle ich, Kinder mit Konzentrationsproblemen nicht nur zum Psychologen zu schicken, um das Kind auf ADHS zu diagnostizieren, sondern die Eltern auf Reflexintegrationstraining aufmerksam zu machen. So wird das Problem an der Ursache bearbeitet, anstatt die Kinder mit Pillen ruhigzustellen oder funktionstüchtig zu machen.

Empfehlenswerte Informationsquellen:

 

 

 

Claudia Klaffenböck unterrichtete die letzten Jahre in der Justizanstalt Linz, seit Herbst 2020 unterrichtet sie Englisch, Deutsch und Informatik in der TNMS Sierning. Sie ist selbstständig auf dem Gebiet Konzentration und Aufmerksamkeit. Mehr Infos unter www.claudiaklaffenboeck.at

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