Differenzieren in der ASO – it’s so easy!

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Alle Illus von Lili Richter, Wien

Differenzierung ist geradezu zu einem „buzz word“ geworden, das häufig als übergeordneter Begriff für Personalisierung und Individualisierung verwendet oder sogar damit gleichgesetzt wird.

Differenzieren ja, klar – aber …?

Oftmals wird Differenzierung nicht als individuelles Lernkonzept für jede Leistungsstufe umgesetzt, sondern Aufgabenstellungen werden einfach in Umfang und Komplexität reduziert, siehe dazu auch Tanja Greils Beitrag Differenzierung, Individualisierung und Personalisierung – Eine Annäherung (August 2020):

“Es geht nicht darum, die sprachliche Aufgabe selbst leichter zu machen, sondern … ein flexibles ‘Gerüst’ (i.e. an Hilfestellungen) bereitzustellen, damit alle SchülerInnen die Aufgabe schaffen können.”

Mit „Mira’s magic world“ ist es mir sogar in einer Sonderschulklasse mit 4 unterschiedlichen Lernstufen (ASO 4 – ASO 8) möglich, individuell auf den Leistungsstand jedes einzelnen Kindes einzugehen und trotzdem am selben bzw. im selben Kapitel zu arbeiten.

Anhand eines praktischen Stundenbildes möchte ich Ihnen im Folgenden Impulse zur inneren Differenzierung anbieten.

easy 1 – UNIT 2 / Topic 1

Ich unterrichte in meiner Klasse fünf Schüler*innen mit Verhaltens- oder Lernbeeinträchtigung. Dabei versuche ich, den Lehrplan der 4., 5., 6 und 8. ASO zeitgleich zu erfüllen – was nicht immer einfach ist. 😊 In Englisch ist das mit dem neuen Lehrwerk für mich aber absolut „easy“ und außerdem lieben meine Kinder die unterschiedlichen (Bild-) Impulse rund um unsere Lieblingshexe.

Ein Praxisbeispiel aus den ersten Schulwochen

Zu Beginn der Stunde betrachten wir einmal gemeinsam das neue Impulsbild „My school things“.

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Alle Illus von Lili Richter, Wien

Erste Eindrücke werden bereits auf Englisch oder Deutsch genannt. Jedes Kind kann so, seinem Leistungsstand entsprechend, mitarbeiten. Spielerisch können mit Hilfe dieses Impulses auch Phrasen wie „where is …, this is …, how many …, erarbeitet werden.

Jede neue Lernphrase wird von mir auch visualisiert. Da ich in meiner Klasse noch über eine gute alte Tafel verfüge, verwende ich Bild- und Wortkarten. Diese hefte ich verkehrt an die Tafel und wir spielen gemeinsam Memory. Dadurch wird lustbetontes, unterhaltsames Lernen aktiviert und zugleich der Unit-Wortschatz trainiert.

Danach erfolgt eine Zählübung, d.h. Finden und Zählen unterschiedlicher Gegenstände im Bild, aber auch direkt in der Klasse bzw. Umgebung des Kindes. Hierbei wird mit Hilfe von Nummernkärtchen der auditive Lernkanal bedient. Durch das Zählen und mündliche Wiederholen kann indirekt bereits die Pluralform „-s“ eingebaut werden, indem Schüler*innen bei der Benennung der Gegenstände die Endung besonders stark betonen müssen. Das hilft meinen schwachen Schüler*innen dabei, diesen „grammar spot“ einfach und nachhaltig zu festigen. Auch wenn mein Jüngster in seiner 4. ASO diese Form noch gar nicht können müsste, weiß er am Ende der Stunde genauso viel wie die anderen.

Eigenständig und/oder unterstützt

Nachdem wir spielerisch den notwenigen Wortschatz erarbeitet und mit Hilfe der Impulsseite diesen auch gefestigt haben, wollen wir das gemeinsam erarbeitete Wissen individuell abfragen.

Nicht jedes Kind benötigt meine persönliche Unterstützung bei Wiederholungs- oder Festigungsaufgaben. Auch hier „beinhalten“ zum Beispiel die Impulse im easy 1 book (page 21) bereits eine Vielzahl an Differenzierungsmöglichkeiten.

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Während eigenständig arbeitende Kinder, deren Lernlevel bereits höher angelegt ist, Zählübungen (Nr. 2 und 3) gut ohne Unterstützung lösen können, werden meine schwächeren Kinder (bzw. Kinder einer niedrigeren Schulstufe) angeleitet.

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Die Übung 4 („Lilly’s school bag“) ermöglicht eine gemeinsame Erarbeitung, da im Anschluss an die Vokabelarbeit auch die bereits zuvor gelernten Phrasen „recycled“, d.h. wiederholt werden können.

Anfangs hatte ich die Sorge, dass ich meinen älteren Schülern leistungsmäßig nicht gerecht werde und ihnen eventuell zu wenig zutrauen könnte. Aber ganz genau das Gegenteil ist der Fall!

Durch dieses gemeinsame Arbeiten merken die Kinder gleich, in welchen Bereichen sie sich sicher fühlen bzw. wo sie noch Unterstützung benötigen. Bekannterweise behält man Dinge nachhaltiger, wenn man sie jemanden erklären muss. Deshalb findet in meiner Klasse in dieser Phase der Festigung automatisch ein Buddy-Lernsystem statt. So ist es mir möglich, individuell auf einzelne Schüler*innen einzugehen – „Frontalunterricht“ wäre hier mehr als nur kontraproduktiv. Es kommt immer wieder vor, dass ich gerade bei einem Kind sitze und es unterstütze, und plötzlich steht ein anderes Kind, das ebenfalls Hilfe braucht, auf und sucht sich einen Lernbuddy.

Mira „verzaubert“ meine Klasse regelrecht! Die Kinder lieben sie und ihre Abenteuer und lernen individuell und differenziert, je nach Können und Vorlieben/Stärken, gemeinsam im Klassenverband. It’s really so easy!

Die Mischung macht es „easy“

In dieser Lektion geht es nicht nur um die Erarbeitung bzw. Festigung der Zahlen. Die Artikel „a/an“ werden mit Unterstützung des Grammatik-Heftes (p. 7) erarbeitet. Kindern höherer Leistungslevels ist dieser „grammar spot“ bereits bekannt und auch die entsprechende Regel oftmals vertraut. Warum daher nicht einmal eine Schülerin / einen Schüler in die Rolle des Lernbuddies stecken?

Diese Grammatikstruktur zu erkennen und zu erklären ermöglicht den leistungsstärkeren Kindern, ihr Wissen an ihre leistungsschwächeren Kolleg*innen weiterzugeben. Ihnen selbst fällt es leicht (Motivation!), die leistungsschwächeren Kids fühlen sich aber nicht unterlegen und können die „Buddy-Erklärung“ dann auch selbst wiedergeben. „Mini“-Arbeitsgruppen unterstützen auch die sozialen Aspekte in einer Klasse und können zu einer wertschöpfenden Zeit im Unterricht werden.

Zur Überprüfung der Lernziele habe ich nach dieser Gruppenphase die Übung 6 mit dem Hörbeispiel 10 angeboten. Dies ermöglicht mir einen Einblick in den Leistungsstand jedes Kindes und macht mich auf eventuell nötige weitere Übungs- und Fördermaßnahmen aufmerksam.

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Reflexion des Wissens

Nach jeder Stunde fassen wir anhand des Impulsbildes nochmals zusammen. „Was hast du heute gelernt?“ ist eigentlich eine Standardfrage nach jeder Übungseinheit. Diese können die Kinder mündlich oder auch schriftlich beantworten. In einer kurzen Abschlussrunde halte ich jedes Kind nochmals dazu an, alle Lerninhalte der Stunde noch einmal durchzudenken und zu wiederholen.

Da auch die Lernergebnisse lernstärkerer Kinder präsentiert (und „analysiert“) werden, sehen Schwächere, welche Ziele auch sie noch erreichen können (Ermöglichung!). Dabei geht es aber nicht darum, eifrige Kinder hervorzuheben und schwache zu desillusionieren. Es geht um eine wertschätzende Darstellung aller Lerninhalte und -erfolge. Jedes Kind hat auf seinem Leistungsstand, innerhalb seines jeweiligen Vermögens, sein „Bestmögliches“ gegeben und wird durch eine solche Reflexion auch noch zu weiteren Zielen angespornt (Motivation).

Hausübungen differenziert anbieten

Nachdem bereits der Unterricht differenziert angeboten wurde, ist es auch notwendig, die Lehrstoffwiederholung und -festigung, d.h. die Hausübung, entsprechend auszugeben.

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Hierbei unterstützt das easy 1 pad, der „Übungsblock“, hervorragend. Während Übung 19 und 20 (easy pad,  p. 15) für leistungsschwächere Kinder als Grundlage dienen, können Übung 21 und auch Übung 22 (ASO 8) wunderbar eigenständig erarbeitet werden.

easy1_pad_S16_Nr_21

Weitere Möglichkeiten sind „vertiefende“ Hausübungen, also Transfer-Tasks, wobei Schüler*innen z.B. irgendwelche vorhandenen Gegenstände zählen (ASO 4) oder den Inhalt des eigenen Federpennals beschreiben sollen (ASO 6).

What else?

Meine Schüler*innen (und auch ich) lieben die Songs und Chants in easy – sie entsprechen genau ihrem Musikgeschmack und deshalb erleben sie sie auch immer als motivierend und unterhaltsam. Natürlich gibt es auch hin und wieder einen „Bonus-Song“ als “Belohnung”!

Bild_Link_Video
Video: Ulrike Haider

(Anm. der Redaktion: In der kostenlosen Smartphone-App „VERITAS Mediathek“ können auch Sie sich alle Songs und Chants zu easy 1 und easy 2 anhören. [Stand: Dez. 2020] Den offiziellen easy-Song können Sie mit Klick gleich hier hören bzw. im Video oben).

easy_App_TrophaenFür meine Kids ist auch die easy App ganz toll. Wenn ich mich z.B. mit einem Kind intensiver beschäftige, können die anderen auch die Zeit nutzen, um am Handy Sterne zu erspielen. Die easy-Figuren begleiten die Schüler*innen durch die Übungs-Sets in der App, dadurch ist diese Art der Wiederholung und Festigung für die Kinder besonders wirkungsvoll, weil sie Bekanntes (die Figuren) mit den Lerninhalten verknüpfen können – das erhöht die Merkfähigkeit (Anker).

Wir vergleichen auch immer die bereits erworbenen Trophäen – da kommt schon so manches Mal der Ehrgeiz hervor (Wettbewerb spornt zu weiteren Zielen an, siehe oben).

Nach langem Suchen habe ich nun für meine Schüler*innen mit easy das Lehrwerk gefunden, das sich flexibel den ‚special needs‘ in meiner Gruppe anpasst.

Und jetzt finden wirklich alle Kids in meiner Klasse: English is easy!

 

Ulrike Haider, MEd ist Sonderpädagogin in einer kleinen Mehrstufenklasse mit Kindern mit Lern- und Verhaltensbeeinträchtigungen. Differenzierter Unterricht ist ihre Leidenschaft und erfüllt sie genauso wie das Dudelsackspielen.

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